{"id":492,"date":"2016-12-11T17:52:55","date_gmt":"2016-12-11T15:52:55","guid":{"rendered":"http:\/\/trenchtown.musikerohnegrenzen.de\/?p=492"},"modified":"2016-12-11T17:52:55","modified_gmt":"2016-12-11T15:52:55","slug":"eindruecke-aus-jamaika","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/jamaika.musikerohnegrenzen.de\/en\/2016\/12\/11\/eindruecke-aus-jamaika\/","title":{"rendered":"Eindr\u00fccke aus Jamaika"},"content":{"rendered":"<p><em>Antonia war als grenzenlose Musikerin f\u00fcr mehrere Monate in Trenchtown, Jamaika. W\u00e4hrend ihrer Zeit im Projekt wurde sie f\u00fcr einige Tage von ihrer Mutter besucht, die ihre Eindr\u00fccke nach ihrer R\u00fcckkehr nach Deutschland in <a href=\"http:\/\/antoniainjamaika.musikerohnegrenzen.de\/\" target=\"_blank\">Antonias Reisetagebuch<\/a> schildert. Die folgenden Zeilen sind ein Auszug, den Beitrag in voller L\u00e4nge und viele weitere Bilder finden Sie <a href=\"http:\/\/antoniainjamaika.musikerohnegrenzen.de\/2016\/09\/08\/die-zeit-verfliegt\/\" target=\"_blank\">hier<\/a>.<\/em><\/p>\n<p>&#8220;Ihr Lieben,<\/p>\n<p>es ist 4 Uhr morgens und da ich durch den Jetlag keinen Schlaf finden kann, beginne ich nun zu schreiben.\u00a0Wir sind nun seit einem Tag zu Hause.\u00a0Schweren Herzens habe ich mich von Antonia verabschiedet, aber ich hatte sie ja jetzt ganze 4 Wochen.\u00a0Antonia hat mich gebeten, meine Eindr\u00fccke von Jamaika zu schildern, und ich glaube, das ist eine wirklich gute Idee.\u00a0Sie ist n\u00e4mlich mittlerweile v\u00f6llig im \u201e Jamaika \u2013 Groove\u201c angekommen, vieles nimmt sie anders wahr und das ist auch gut so.\u00a0Ich w\u00fcrde mal lapidar sagen, anders kann man das auch nicht aushalten.<\/p>\n<p>Mein erster Eindruck, als mich Antonia am Flughafen abgeholt hat, war: \u201eWow, mein Kind ist erwachsen geworden\u201c.\u00a0Sie verhandelt mit Taxifahrern, als w\u00e4re sie in Delhi auf dem Wochenmarkt. Sie spricht flie\u00dfend Englisch, sie versteht \u201ePatois\u201c (das Sprechen \u00fcbt sie noch) und organisiert alles, was auf einer Reise zu tun ist.<\/p>\n<p>Als ich mit Antonia und Suarez durch die Strassen und Gassen Trenchtowns gelaufen bin, kamen immer wieder strahlende Kinder auf Antonia zu gerannt und warfen sich in ihre Arme.\u00a0Immer wieder rief es, \u201eYow Toni wah gwaaaan\u201c.<\/p>\n<p>Suarez ist \u00fcbrigens der Grund, dass ich tats\u00e4chlich \u00fcberhaupt keine Angst um Antonia habe. Er begleitet sie, kennt die Guten und die B\u00f6sen in Trenchtown und hat immer ein wachsames Auge auf alles. Lieber Suarez hier noch einmal ein dickes DANKE an dich, dass du so toll auf Antonia aufpasst!\u00a0Kevin Kostner ist ein Dreck dagegen&#8230;<\/p>\n<div class=\"tiled-gallery type-square tiled-gallery-unresized\" data-original-width=\"960\" data-carousel-extra='{&quot;blog_id&quot;:1,&quot;permalink&quot;:&quot;https:\\\/\\\/jamaika.musikerohnegrenzen.de\\\/en\\\/2016\\\/12\\\/11\\\/eindruecke-aus-jamaika\\\/&quot;,&quot;likes_blog_id&quot;:132831057}' itemscope itemtype=\"http:\/\/schema.org\/ImageGallery\" > <div class=\"gallery-row\" style=\"width: 960px; height: 480px;\" data-original-width=\"960\" data-original-height=\"480\" > <div class=\"gallery-group\" style=\"width: 480px; height: 480px;\" data-original-width=\"480\" data-original-height=\"480\" > <div class=\"tiled-gallery-item \" itemprop=\"associatedMedia\" itemscope itemtype=\"http:\/\/schema.org\/ImageObject\"> <a href=\"https:\/\/jamaika.musikerohnegrenzen.de\/en\/0001\/\" border=\"0\" itemprop=\"url\"> <meta itemprop=\"width\" content=\"476\"> <meta itemprop=\"height\" content=\"476\"> <img decoding=\"async\" class=\"\" data-attachment-id=\"496\" data-orig-file=\"https:\/\/jamaika.musikerohnegrenzen.de\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/0001.jpg\" data-orig-size=\"571,571\" data-comments-opened=\"1\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;2.4&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;2.15&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;125&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0.0333333333333&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;6&quot;}\" data-image-title=\"0001\" data-image-description=\"\" data-medium-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/jamaika.musikerohnegrenzen.de\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/0001.jpg?fit=300%2C300&#038;ssl=1\" data-large-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/jamaika.musikerohnegrenzen.de\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/0001.jpg?fit=571%2C571&#038;ssl=1\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/jamaika.musikerohnegrenzen.de\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/0001.jpg?w=476&#038;h=476&#038;crop=1&#038;ssl=1\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/jamaika.musikerohnegrenzen.de\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/0001.jpg?w=571&amp;ssl=1 571w, https:\/\/i0.wp.com\/jamaika.musikerohnegrenzen.de\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/0001.jpg?resize=150%2C150&amp;ssl=1 150w, https:\/\/i0.wp.com\/jamaika.musikerohnegrenzen.de\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/0001.jpg?resize=300%2C300&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/jamaika.musikerohnegrenzen.de\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/0001.jpg?resize=100%2C100&amp;ssl=1 100w\" width=\"476\" height=\"476\" loading=\"lazy\" data-original-width=\"476\" data-original-height=\"476\" itemprop=\"http:\/\/schema.org\/image\" title=\"0001\" alt=\"0001\" style=\"width: 476px; 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Sie hat Freunde, sie liebt die Menschen, sie bewegt sich v\u00f6llig selbstverst\u00e4ndlich in einem Umfeld, in das sich nicht einmal Einheimische trauen.\u00a0Wenn man den Menschen erz\u00e4hlt, dass man nach Trenchtown geht oder gar dort wohnt, glauben sie es nicht. \u00a0Wei\u00dfe Menschen in Trenchtown, das geht gar nicht.\u00a0Warum das so ist, wurde mir dann auch bald klar.\u00a0In der Zeit, in der ich und sp\u00e4ter auch Christian da waren, wurden insgesamt 6 Menschen erschossen.\u00a0Es sind Taten, die wir niemals begreifen werden.\u00a0Wenn eine Gang jemanden erschiesst, wird am n\u00e4chsten Tag einer von der anderen Gang erschossen. In der letzten Woche, in der wir dort waren, wurde ein Mann mit seinem zweij\u00e4hrigen Baby auf dem Arm erschossen. Das Baby wurde mit einem Kopfschuss get\u00f6tet.<\/p>\n<p>Viele junge Menschen, die Antonia kennt, waren schon Zeugen solcher Gewalttaten.\u00a0Oft\u00a0wird man bedroht und drangsaliert und verpr\u00fcgelt, weil man\u00a0Mitglied ein dortigen Gang werden soll.\u00a0Man ist wirklich machtlos und um so mehr wird einem bewusst, wie wertvoll die Arbeit der \u201eMusiker ohne Grenzen\u201c ist.<\/p>\n<p>Sicher, ein Tropfen auf den hei\u00dfen Stein, aber steter Tropfen\u2026<\/p>\n<p>Die Kinder haben eine Zuflucht, sie haben die M\u00f6glichkeit, sich mit etwas Sch\u00f6nem zu besch\u00e4ftigen, sie erarbeiten was als Gruppe, sie k\u00f6nnen auch mal stolz sein und manchmal bekommen sie dort auch einfach etwas zu essen.\u00a0Auch das ist nicht selbstverst\u00e4ndlich.\u00a0Oft reicht das Geld nur f\u00fcr eine Mahlzeit am Tag.\u00a0Auch das ein Satz, der sich mir eingepr\u00e4gt hat: \u201cEs muss zumindest keiner hungrig einschlafen\u201c.\u00a0Tags\u00fcber aber ist der Hunger f\u00fcr viele Kinder ein st\u00e4ndiger Begleiter.<\/p>\n<p>Und hier kommen wir zum Hauptproblem, kaum einer der im Slum lebenden Menschen hat Geld.\u00a0Es gibt nicht zu arbeiten und Antonia erz\u00e4hlte mir, dass allein die Adresse Kingston 12 ausreicht, nirgendwo eine Anstellung zu bekommen.\u00a0Allgemein ist es auf Jamaika so, dass die wenigsten Menschen ein geregeltes Einkommen haben.\u00a0Auf dem Land haben die Menschen den Vorteil, dass sie wissen ,wo die Brotfrucht- und Mangob\u00e4ume wachsen und somit zumindest genug zu essen haben.\u00a0Die Vorstellung, Jamaika w\u00e4re eine karibische Trauminsel, kann man sich sehr schnell abschminken, vorausgesetzt, man bewegt sich als Tourist aus seinem 5 Sterne Luxus- Resort raus. Um es wirklich zu begreifen, muss man es gesehen haben.\u00a0M\u00fctter leben mit ihren 3 Kindern in einem Raum, eigentlich ein Bretterverschlag mit Wellblechdach.\u00a0Es gibt ein ca. 1,40 Meter breites Bett f\u00fcr alle und einen Ventilator, ohne den man hier wirklich kein Auge zudr\u00fccken kann. Es gibt keine K\u00fcche, es gibt keine Dusche, es gibt kein Klo im Haus.\u00a0Gewaschen wird von Hand, aber man erlebt nicht, dass jemand ungepflegt herum l\u00e4uft.\u00a0\u00dcberhaupt sind die Jamaikaner tolle Menschen.\u00a0Man erlebt niemanden schlecht gelaunt, motzig oder ungeduldig.\u00a0Selbst im wirklich chaotischen Stra\u00dfenverkehr, im v\u00f6llig \u00fcberf\u00fcllten Bus oder Taxi bei sengender Hitze r\u00fcckt man halt zusammen oder stapelt sich.\u00a0Da k\u00f6nnte sich hier manch einer was abgucken.\u00a0Allerdings dr\u00fcckt die st\u00e4ndig akute Gewalt und Sorge wohl schon aufs Gem\u00fct.<\/p>\n<p>Wirklich wahrgenommen haben wir das, als wir zu neunt f\u00fcr 5 Tage nach Port Antonio gefahren sind.\u00a0Alle waren pl\u00f6tzlich wie verwandelt, der 7 j\u00e4hrige Obama sagte: \u201eI will stay here forever.\u201c. Alle waren\u00a0 viel gel\u00f6ster und fr\u00f6hlicher.\u00a0Meinen 50. Geburtstag durfte ich dann mit einer wundervollen Gruppe feiern.\u00a0Suarez, seine Schwester Kelly, ihre 3 Kinder Chu-Chu, Obama und Kareem (Antonias Patenkind) und Davia Antonias beste Freundin hier und nat\u00fcrlich Christian.\u00a0Wir hatten einen traumhaften Tag an dem sch\u00f6nsten Strand, den ich je gesehen habe.<\/p>\n<p>Insgesamt hat mich diese Reise ein weiteres Mal sehr nachdenklich gestimmt.\u00a0Wir sind die Gl\u00fccklichen, die am richtigen Ort geboren wurden.\u00a0Wir haben ein funktionierendes Sozialsystem, Krankenkassen, Renten, Arbeitslosengeld, einen Job oder halt Hartz 4.\u00a0F\u00fcr uns alles selbstverst\u00e4ndlich, in vielen Teilen der Welt unvorstellbar.\u00a0Unsere Kinder k\u00f6nnen auch ohne teure Schuluniform zur Schule gehen.\u00a0Wir k\u00f6nnen Schulb\u00fccher leihen, wir m\u00fcssen sie nicht f\u00fcr teures Geld kaufen.\u00a0F\u00fcr viele Slumbewohner ist es fast unm\u00f6glich, das Geld f\u00fcr ihre Schulkinder aufzubringen.\u00a0Was ein veraltetes, bescheuertes System!!!!<\/p>\n<p>Junge Leute, die sich bei Organisationen wie \u201eMusiker ohne Grenzen\u201c oder den vielen anderen Freiwilligendiensten engagieren, sind diejenigen, die Licht und Hoffnung in Gegenden bringen, in denen es eigentlich wenig Hoffnung gibt.<\/p>\n<p>Und wenn es dann der ein oder andere schafft, durch diese Arbeit aus dem Elend\u00a0 zu entkommen, dann hat sich das Engagement schon gelohnt.<\/p>\n<p>Dank euch Allen,<br \/>\neine stolze Mama&#8221;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Antonia war als grenzenlose Musikerin f\u00fcr mehrere Monate in Trenchtown, Jamaika. 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